Rundfunkgeschichte für die Zukunft bewahren

RadioMuseum Köln e.V.

Öffnungstage 2026

Öffnungstage immer am 1. Sonntag im Monat. Dieses Jahr sind dies:

  • 4. Januar
  • 1. Februar
  • 1. März
  • 5. April
  • 3. Mai
  • 7. Juni
  • 5. Juli
  • 2. August
  • 6. September
  • 4. Oktober
  • 1. November
  • 6. Dezember

Hilferuf

Am 1. Dezember 2024 fand in Dellbrück der „Tag der offenen Türchen“ statt. Hierzu waren auch wir eingeladen, unser Museum zu öffnen. Diesem Aufruf folgten wir gerne. Das Interesse war erfreulich. Leider mussten wir feststellen, dass sogar manchem Dellbrücker unser Museum nicht bekannt ist. Dennoch entschädigten uns der Zulauf und die Kommentare an diesem Tag.

Bedauerlicherweise stehen wir vor dem Problem, dass man uns in dem Industriegebiet nur schwer findet bzw. gar nicht kennt. Hinzu kommt, dass uns die Menschen im Internet nicht finden, es sei denn, sie suchen explizit nach einem Radiomuseum. Ein zufälliger Anstoß über andere Seiten muss erweitert werden. Auch dieses Problem konnten wir bisher nicht lösen.

Laufen die Menschen täglich an einem Ort vorbei, wird dieser bekannt. So kennt jeder das Museum Ludwig, das Wallraf-Richartz-Museum, das Römisch-Germanisches Museum oder das Schokoladenmuseum. Hinter allen steht entweder die öffentliche Hand, eine Stiftung oder ein Unternehmen.

Unser Museum wird von einem Dutzend Liebhabern der Radiotechnik und Elektronik aus den Ursprungszeiten des Radios betrieben, auch hinsichtlich der Tatsache, dass in Köln eine erhebliche Anzahl an Rundfunk- und Fernsehsender ansässig sind. Bereits 1926 sendete die WERAG aus dem Funkhaus Raderthal ein festes Radioprogramm. Leider sind die Sendeanlagen abgebaut, das ehemalige Funkhaus steht unter Denkmalschutz, verfällt aber nach und nach.

Jetzt kommt unser Hilferuf

Vom Eigentümer steht eine Sanierung unserer derzeitigen Museums- und Lagerräume an. Daher suchen wir nach anderen, für uns bezahlbare Räumlichkeiten, in denen Ausstellung, Führungen, Restauration und Reparaturen weiterhin möglich sein werden. Da wir ein gemeinnütziger Verein ohne Profit sind, können wir uns keine Mietkosten in Höhe eines Gewerbebetrieb leisten.

Wir würden uns freuen, dahingehend Unterstützung zu erhalten. Ferner suchen wir nach Nachwuchs, der sich für die Röhren- und frühe Transistortechnik interessiert und ggf. auch gerne selbst den Lötkolben in die Hand nehmen möchte.

Das „Grundig“
Kindheitserinnerungen von Maria Bruske-Schmachtenberg aus Köln:
Wenn wir auch ein eigenes Haus besaßen, so bewohnten wir, genau genommen nur ein Zimmer, die Küche. Sie war mit allem ausgestattet, was für unser spärlich stattfindendes Familienleben vonnöten war. Wenn ich in Gedanken die Zimmer durchwandere, dann sehe ich mich, im Bett liegend, mit dem Zeigefinger das Tapetenmuster nachzeichnen und lauschte dabei den Stimmen, die nebenan aus dem Radio herüber klangen.
Ein eigens für das Grundig angebrachtes Hängeregal war der Platz für das kostbare Gerät. Der dreieckige Zipfel eines selbstgestickten Tuches, hing von oben herab.
Unter dem Grundig stand das wichtigste Möbelstück des Hauses. Unser „Scheselong“ oder, genauer gesagt mein „Scheselong“, sozusagen das Privileg des Nesthäkchens. Es war von mir nur kletternd zu erreichen, und wenn ich einmal dort saß, kam ich nicht so schnell wieder weg. Hier saß ich – meist kniend – oder auf einem Berg von Kissen bei den gemein-samen Mahlzeiten, hier lag ich, wenn ich krank war – und ich war häufig krank – hier, und das waren die schönsten Augenblicke, lümmelte ich herum, wenn das Grundig angeschaltet war.
 
Im Winter, wenn im Küchenherd das Feuer prasselte, wenn von unseren Kinderhandschuhen die Eisklumpen herunterfielen und zischend auf der Herdplatte tanzten, wenn die Essensdünste noch im Raum hingen und der Wasserkessel seine Melodie summte, dann kam die seltene Stunde der Behaglichkeit in unser Haus.
Meinem Vater gewährleistete die harte Arbeit als Waldarbeiter einen frühen Schlaf und so kam es zu den kostbaren Augenblicken, wo ich meine Mutter ganz für mich allein hatte.
Es war die Stunde, wo Frieden einkehrte in unser Haus, wo die Hetze des Tages ein Ende hatte, wo so etwas Geborgenheit aufkommen konnte.
Meine Mutter hatte immer irgendein Strickzeug in den Händen und so verschmolzen das leise Klimpern der Nadeln und die Stimmen aus dem Grundig zu einem Ton.
Mir klingt noch, als wäre es gestern gewesen, die Stimme von Hans Clarin im Ohr, der den Simplicius Simplissimus vorlas. Wir hörten alle Folgen davon. Wir lauschten den Buddenbrocks oder schauderten beim Krimi am Samstagabend mit Paul Temple, für den ich länger aufbleiben durfte.
Da ein kulturelles Leben bei uns nicht stattfand und es nur wenige Bücher in unserem Haus zu lesen gab, eröffnete mir das Grundig den Zugang zu Literatur und klassischer Musik.
Mein Vater hatte ohnehin nichts übrig für Klassik und so lauschten meine Mutter und ich allein der Kleinen Nachtmusik, der Moldau oder der Mondscheinsonate. Und neben der Stimme von Rene Deltgen und Hans Clarin und dem leisen Pling-Pling der Stricknadeln, drang unhörbar etwas anderes, kostbares und daher Unvergessliches in mein Herz.
Meine Mutter war keine feinsinnige Frau. Wer sie kannte, wusste, dass sie schuftete bis zum Umfallen. Immerzu war sie in Bewegung. Sie arbeitete im Garten, fütterte die beiden Schweine, wusch unsere Wäsche, hobelte Weisskohl für das Sauerkraut, sie schlachtete Hühner und verteilte Jauche aus der Grube im Garten. Im Sommer bekamen wir sie kaum zu Gesicht und bis zum Dunkelwerden sah man ihren gekrümmten Rücken in Erdbeerbeeten und Kartoffelreihen. Erst im Spätherbst oder im Winter gönnte sie sich die Abende am Grundig.
Ist es daher verwunderlich, dass mir der Herbst und Winter auch heute noch die liebsten Jahreszeiten sind ?
Grundig-Zeit bedeutete Nähe zu meiner Mutter und gleichzeitig ein Hinaustreten in eine andere Welt, bedeutete sich verbunden fühlen mit einer unsichtbaren, seelenverwandten Hörergemeinschaft.
Es gab Grundig-Zeiten mit meiner Mutter, wenn auch seltener, Grundig-Zeiten mit meinem Vater. Später gab es Grundig-Zeiten für meine Schwester und mich.
Sonntags um vierzehn Uhr saß die ganze Familie zusammen und lauschte im Kinderfunk den Abenteuern von Kater Mikesch und Kalle Blomquist, dem Meisterdedektiv.
Im Winter, wenn mein Vater „Stempeln“ ging, weil er wegen des Schnees nicht arbeiten konnte, hörten wir im Schulfunk „Neues aus Waldhagen“ – eingeleitet durch die Melodie vom Papageno aus der Zauberflöte, oder am Abend „Zwischen Rhein und Weser“, dessen Eingangsmelodie ich ebenfalls noch heute summen kann. Samstag hörte ich alle Karl May-Geschichten mit meinem Vater. Am Samstagabend aber, nach Karl May und vor dem legendären Bockwurst-Essen, gehörte meinem Vater das Grundig allein. Dann mussten wir uns auf Zehenspitzen bewegen und wir beteten, Schalke möge gewinnen, weil der Auf- bzw. Abstieg dieser Mannschaft das häusliche Klima erheblich bestimmte.
Im Teenager-Alter versäumten meine ältere Schwester und ich keine „Schlagerbörse“ mit Hanns Verres und als die Beatles Einzug in unsere Küche hielten, kam es zum regelrechten Grundig-Kampf mit meinem Vater. Cliff Richard, Gus Backus und Roy Black ertrug er willig, aber bei den Beatles verstand er keinen Spaß. Wann immer er das Yeah, Yeah, Yeah vernahm, drückte er erbarmungslos die Aus-Taste.
Am Heiligabend saßen wir, nach dem unvermeidlichen Sauerkraut mit Mettwurst-Essen, am Tisch und vor der Bescherung, wenn die Spannung nahezu ins Unerträgliche wuchs, weinten wir alle miteinander mehr oder weniger heftig, wenn die Grüße von der Waterkant über den Äther gingen. Wenn Hein Büttel seine Mutter in Bremerhaven grüßte und Hannes seiner Marie einen Schmatz von hoher See zukommen ließ, blieb kein Auge trocken.
In der Silvesternacht genossen meine Mutter und ich Beethovens Neunte und nippten an der obligatorischen Erdbeerbowle. Das war immer etwas ganz Besonderes.
Mit der Anschaffung des Fernsehers wurde das Ende der Grundig-Ära eingeleitet. Mein Vater, der sich am längsten gegen die „Glotze“ gestellt hatte, war derjenige, der nun am meisten davor hockte.
Vorbei war nun das traute Zusammensein am Grundig. Die Flimmerkiste beherrschte von nun an das Geschehen. Hatten wir eben noch bestürzt den aufgeregten Kommentaren zum Kennedy-Attentat gelauscht oder die Kuba-Krise mit Furcht und Schrecken im Äther verfolgt, so konnten wir nun die ersten Schritte auf dem Mond auf der nagelneuen Mattscheibe verfolgen.

Irgendwann verschwand der geliebte Grundig-Kasten und das Leben in der Küche verlagerte sich – weil es nun eine Heizung im Hause gab – ins Wohnzimmer. Etwas ging in dieser Zeit unwiederbringlich verloren. Wenngleich nun ein gewisser Luxus ins Haus einzog, die Zimmer geheizt und ein Telefon angeschafft war, wurde das Leben doch ein klein wenig ärmer.

Am 29. Oktober 1923

wurde die erste Rundfunksendung in Deutschland ausgestrahlt. Die Voraussetzung, überhaupt Töne konservieren zu können, schaffte Edison 1877 mit seinem Phonographen.

Mit diesem gelang es ihm, Schallwellen auf eine Wachswalze zu schneiden, um sie später wiedergeben zu können. Mit der Erfindung des Kohlemikrophones 1923 konnten später Schallwellen in elektrische Signale umgesetzt werden.

Der italienische Forscher Marconi war es der es schaffte, Informationen mit Hilfe von elektromagnetischen Wellen über den Raum in die Ferne zu übertragen. 1903 fand die erste öffentliche Funkübertragung über den Atlantik statt. Zuerst waren es elektrische Ein-/Ausimpulse wie z. B. die Morsezeichen. Man lernte, die niederfrequente Sprache/Musik auf eine hohe Frequenz (Hochfrequenz) zur drahtlosen Übertragung aufzusetzen (modulieren), über weite Entfernungen zu übertragen, um sie durch Demodulation mit einem einfachem Empfangsgerät hörbar zu machen.

Am 22. Dezember 1920 kam es zu einer ersten, illegalen Versuchssendung eines Weihnachtskonzertes über den Sender Königs-Wusterhausen. Rundfunkempfang war mit einem einfachem Detektorempfänger möglich. Der Detektorempfänger benötigte keine Stromversorgung, lediglich die empfangene Energie reichte zum Hören über den Kopfhörer aus. Voraussetzung war eine Langdrahtantenne und Erdanschluß. Nachdem in einigen Ländern schon früher mit Rundfunksendungen begonnen wurde, startete man in Deutschland erst 1923 mit einem regelmäßigem Programmbetrieb.

Die Entwicklung der Empfangstechnik ging weiter. Unter Einsatz der Elektronenröhre konnte ein Lautsprecher verwendet werden, so daß jede Person im Raum das Radioprogramm verfolgen konnte. Mit ihr verbesserte sich im Laufe der Zeit auch die Empfangstechnik.

Das Radio sollte unpolitisch sein und hauptsächlich der Unterhaltung und Information dienen. Dieses änderte sich nach der Machtergreifung am 30.01.1933 schlagartig. Der Volksempfänger VE301 kam zum Preis von 76 Reichsmark auf den Markt. Damit sich jeder ein solches Gerät anschaffen konnte, bestand die Möglichkeit des Erwerbs auf Abzahlung.

Die Menschheit ist schon seit Urzeiten mit Neugierde und Erfindergeist gesegnet. Von der Entdeckung des Feuers bis zur ersten brauchbaren Dampfmaschine im Jahr 1712 vergingen locker 700 000 Jahre. Nur ca. 200 Jahre brauchte die Menschheit um danach die Elektrizität und deren physikalische Eigenschaften zu entdecken. Tonaufzeichnungen, drahtlose Ton- und Bild Übertragungen  wurden selbstverständlich. Zahlreiche Relikte, Dokumente und Geräte der unterschiedlichen Zeitepochen und Fortschrittsstufen und auch technisches Wissen werden in Museen wie das unsere erhalten und bleiben dadurch für unsere Nachwelt zugänglich.

Vom ersten illegalen Weihnachtskonzert im Dezember 1920 bis heute liegen rund 100 Jahre Entwicklungsgeschichte des Rundfunks und der dazugehörigen Technik. Jedes unserer Ausstellungsstücke aus aller Herren Länder hat eine individuelle Geschichte und dokumentiert den Stand der Technik seiner Zeit.

Mit Grammophonen, Phonografen und Plattenspieler wird eindrucksvoll die Geschichte der Schallplatte dokumentiert.

Zahllose Ausstellungsstücke von der Drahttontechnik bis zur REVOX Tonbandmaschine A77 belegen die Entwicklungsgeschichte der Magnettonaufzeichnungstechnik.

Eine der ersten drahtlosen Nachrichtenaussendungen mit Hilfe eines Knallfunkensenders können wir mit Hilfe eines Nachbau eindrucksvoll demonstrieren.

Ebenso können wir die Arbeitsweise der nach dem Elektropionier und Wechselstromspezialisten Tesla benannten Teslaspule bestaunen, wenn es zischt und die Blitze zucken.

Ende 2015 ist in Deutschland der letzte Mittel, Kurz und Langwellensender abgeschaltet worden. Seitdem schweigen bei uns alle AM Radios in unserer Landessprache. Bei uns erlebt die Mittelwelle ein Revival und im Gelände des Radiomuseum können einige kultige Sender auf ihren Originalfrequenzen und Originalaussendungen während der Öffnungszeiten empfangen werden.

Wer erinnert sich da noch an „die großen Acht von Radio Luxemburg“ oder „Hallo Twen“ mit Manfred Sexauer auf der Europawelle Saar?

Ansonsten sind Langwelle, Mittelwelle und die Kurzwellenfrequenzen hier in Mitteleuropa leider tot. Wirklich? Wer noch über ein Radio, welches diese Wellenbereiche empfangen kann, wird überrascht sein, wie viele AM Sender, besonders in den Abendstunden noch hörbar sind. In den USA wird auf Mittelwellenfrequenzen sehr häufig Lokalradioprogramme ausgesendet. In Europa haben die Niederländer die Kultur ihrer Piratensender wiederentdeckt und die sind auch hier manchmal in den Nachtstunden auf den oberen Mittelwellenfrequenzen zu hören, nur mit deutschsprachigen Stationen sieht es schlecht aus.

Aber auch hier passiert etwas. Auf der Kurzwelle im 49 m Band auf der Frequenz 6150 Khz kann man täglich von 7 bis 17 Uhr in deutscher Sprache Radio Europa 24 hören. Das Programm besteht aus viel Musik, Nachrichten und Wettervorhersagen  für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Der Sender befindet sich in Datteln und ist hier in der Kölner Umgebung  mit einer guten  Antenne zu hören. Ich kann den sogar im Keller mit einem alten Nordmende Camebridge Kofferradio ohne Zusatzantenne empfangen, aber mit erheblicher Qualitätseinbuße.

Auf der Frequenz 6070 Khz sendet jeden 2.Sonntag im Monat Radio SM Dessau. Auch hier wird viel Musik gesendet. Abgerundet wird deren Programm mit Wortbeiträgen über Alles was mit Radio in Ost und West zu tun hat. Termine findet man im Internet hier:

 https://www.smradio-dessau.de/

Für die Aussendung wird der Kurzwellensender Rohrbach Waal angemietet. Hierüber finden auch Ausstrahlungen des DARC und  einige andere Kleine Radiostationen auch in deutscher Sprache statt. Vielleicht erleben wir ja doch einmal eine  Renaissance des guten alten AM Radios. Außer Sender und Empfänger bedarf es keinerlei zusätzlicher Technik um Informationen und Musik weltweit zu übertragen. Dieser Vorteil wird in den Zeiten des www meist nicht erkannt und geschätzt. 

Klaus Ullrich